Hübsche Sitten und Gebräuche zu Ostern

2021 03 18 Heimat Sitten 1

Categorie: Heimat
00. Germany


Hübsche Sitten und Gebräuche zu Ostern
Der Frühling wird ja in vielen Regionen der Welt mit besonderen Ritualen und Festlichkeiten bedacht.

In meiner Heimat war es üblich - neben der Verschönerung der Vorgärten mit Frühblühern - besondere Dekorationen
SELBST zu gestalten.
Das mag jetzt einfach klingen, aber es war immer ein großer Aufwand (!) - der allerdings mit viel Freude in Kauf
genommen wurde.

2021 03 18 Heimat Sitten 2

Zuallererst wurden die Frühblüher wie Primeln, Perlblumen, Zilla und natürlich Osterglocken entweder neu gepflanzt
(aus dem Gewächshaus in den Garten) oder aber sie waren schon seit Jahren im Boden - dann wurde natürlich der
sog. Frühjahrsputz für den Garten durchgeführt - mit dem ganzen Programm  angefangen mit der Bodenauflockerung
über den Humus bis zum letztendlichen Harken der Wege.
Ja, sogar die Wege wurden geharkt! Jedes Grundstück & jedes Haus sah wie ein kleines Schmuckstück aus!
(wenn ich heutzutage meine Heimat besuche, ist das noch immer so, nicht unbedingt in Berlin
aber in den kleinen Ortschaften des Umlandes - und in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowieso)

2021 03 18 Heimat Sitten 3 Perleberger Osterglocke
Hier die typische Narzissenart "einfache Osterglocke" (nicht die "doppelte/gefüllte" Osterglocke, die es auch gibt)
Dies war die vorherrschende  Osterglockenart in Berlin/Brandenburg. Meine Eltern hatten davon riesige Beete
voll, was zur Folge hatte, dass im Frühling der Garten mit seiner gelben Blütenpracht schon von Weitem
zu sehen war - eine Augenweide!

Ich persönlich finde diese schlichte, einfache Form dieser Osterglocke wunderschön und ein Sinnbild dafür,
dass die Natur oftmals in ganz einfachen Formen und Dingen ihre Schönheit zeigt!
....bzw. auch ihre Vielfalt, wie hier zum Vergleich an einer niederländischen Sorte zu sehen ist:

2021 03 18 Heimat Sitten 7a NL Narzisse keine Osterglocke

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Heutzutage erinnere ich mich ein wenig wehmütig an die oben geschilderte Zeit mit blühenden Gärten und den Menschen,
die BEWUSST ihre Pflanzen pflegten und damit glücklich waren,
denn die Gegend, in der ich jetzt wohne, hat eine ganz andere Art von Gärten, auch eine andere Art der Vorgärten:
meist ist dort Steingranulat mit einigen Blumentöpfen zu finden - auch "gestaltet", aber eben ganz und gar ANDERS.
In den Niederlanden würde man so etwas nicht vermuten.....d.h. ich hätte hier MEHR Natur erwartet.....
(auch meine Familie sowie mein (deutscher) Bekanntenkreis stellen sich
"Holland" immer als "blühendes Garten - und Blumenland" vor und sind oft enttäuscht, wenn sie die vielen gepflasterten
Flächen in den Gärten/Vorgärten sehen)

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                                                                                                                                          Foto via H.K./ bei meiner Freundin im Garten

Aber zurück zu den Gebräuchen meiner Heimat:
Das obige Foto zeigt eine Osterdekoration im Garten vor dem Hintergrund einer Gartenlaube.
Eine Gartenlaube war meist ein kleines Häuschen aus Holz, in dem man sich unterstellen konnte, wenn es regnete
oder auch mal übernachten konnte, falls es gar zu viel Arbeit gab. In der Gegend, in der ich aufgewachsen bin,
hatten viele Leute den Garten nicht direkt am Haus sondern in der näheren Umgebung, was zur Folge hatte,
dass man nicht "eben mal schnell in den Garten laufen und etwas holen" konnte sondern dass man immer dorthin fahren
musste.
Da es sich zumeist um "Nutzgärten" handelte - also mit Obstbäumen und Sträuchern, viel Gemüse für den eigenen
Verbrauch als auch mit vielen Blumen u.a. Pflanzen - waren diese oftmals zwischen 800 bis 1000 Quadratmetern groß
und verursachten entsprechenden Arbeitsaufwand.
Trotzdem schafften wir es immer, alles "in Ordnung" zu halten, die Pflanzen zu pflegen, die Früchte zu ernten, Marmelade
zu kochen und Obst einzuwecken etc. etc. Es gab ganz viele Aufgaben in solch einem riesigen Garten!
....und frische Blumen gab es auch immer auf dem Tisch!

2021 03 18 Heimat Sitten 3a Pbg Garten Blick aufs Häuschen
Hier Eindrücke aus dem Garten meiner Eltern - eine blühende Oase zu jeder (!) Jahreszeit - im Frühling aber, wenn die
Obstbäume blühten wie z.B. Kirschen-,Äpfel-,Mandelblüten.....und der Rasen übersäht war von Tausenden Gänseblümchen
und anderen Frühblühern - war es einfach bezaubernd!

2021 03 18 Heimat Sitten 3 Plbg Garten Blumen vor Laube


Zur Tradition gehörte es, dass zu Ostern alles geschmückt wurde, teils mit Osterfiguren und Eiern, teils mit Blüten,
Zweigen und Pflanzen.
Schon sehr lange überliefert war das" Eier bemalen" - sowohl das der gekochten als auch das der rohen Eier!
Die gekochten Eier wurden handelsüblich gefärbt - und dann aufwendig mit Mustern verziert, teilweise mit Nadeln.
Ich weiß, dass dieser Brauch aus dem Spreewald kommt... von unseren sorbischen Nachbarn:
Ich habe das x-mal gemacht, gar nicht so einfach - wenn die Eierfarbe trocken ist, mit einer Nähnadel Muster in die
Eierschale kratzen bzw. ritzen - es sieht wunderschön aus, kann aber Stunden (!) dauern, bis ein Ei fertig ist.
(habe von damals leider kein Foto davon)

2021 03 18 Heimat Sitten 4a Eier und Hühnchen

Was die rohen Eier betrifft - es wurde ein kleines und ein größeres Loch in das Ei gemacht (ganz vorsichtig mit einem
kleinen Nagel) und dann das Ei "ausgepustet", d.h. der Inhalt konnte dann gebraten werden.
(oder - seltene Rarität, aber nicht jedermanns Geschmack: konnte der Inhalt auch "roh als Zuckerei" gegessen werden,
wie ich es auf dem Bauernhof meiner Großeltern oft bekam - das sollte die Lebensgeister wecken!)
Die übrige "Eierschale" wurde dann von Hand bemalt und als Zierei an Ostersträuße gehängt - ebenso kleine Küken,
die aus Wolle gebastelt wurden.
Selbst nach vielen Jahren habe ich das noch mit meinen eigenen Kindern fortgeführt. Für Kinder war das immer
eine besondere Freude. (wie man auf den Fotos sieht, habe ich einige Exemplare davon aufbewahrt)

2021 03 18 Heimat Sitten 4b Osterstrauß
                                                       Strauss mit ausgepusteten Eiern, diese habe ich als als Kind selbst bemalt

Damit die Freude bei den Erwachsenen nicht zu kurz kam, gab es am Ostersonntag
immer das obligatorische "Eier trudeln"- bei diesem Treffen brachte man seine buntgefärbten gekochten Ostereier mit
und ließ diese kleine Hügel hinunterkullern. Gewonnen hat, wessen Ei unversehrt blieb, derjenige bekam ein kleines
Schnäpschen oder ein Bier, die kaputten Eier wurden gleich aufgegessen....
Nun ja, den Spaß können Sie sich vorstellen....je später der Abend wurde...
Auch der "Eierlikör im Schokoladenbecher zum Aufessen" war ein Renner und durfte auf keiner Oster-Kaffeetafel
fehlen.

Ein hübscher Brauch waren und sind die sogenannten "Osterfeuer", sie sind bis heute sehr beliebt.
Man trifft sich um ein kleines Feuer herum, welches aus trockenen Zweigen - meist nach dem Frühjahrsputz aus den Gärten -
angezündet wurde, hörte dazu Musik, trank ein Gläschen und ließ es sich gut gehen.
Seine lieben Freunde wiederzusehen - auch nach vielen Jahren - und etwas gemeinsam zu erleben
stand - und steht noch immer (!) - dabei im Vordergrund.

Beide Bräuche - sowohl das Eier trudeln als auch die Osterfeuer haben durch ihre große Beliebtheit
den Charakter von Volksfesten, und je mehr Leute teilnehmen desto geselliger ist es dort - und desto größer ist die Chance,
liebe alte Schulfreunde wiederzusehen.
(für mich persönlich war das über Jahre hinweg ein Grund, die lange Reise zum Besuch meiner Eltern auf das "Osterdatum"
zu legen, um somit auch Freunde & Bekannte treffen zu können.)

2021 03 18 Heimat Sitten 6 Ostereier im Garten

2021 03 18 Heimat Sitten 7 Am Wasser

Heutzutage pflege ich die Traditionen meiner Heimat in meinem eigenen Garten.
Ich "plane" es so, dass zu Ostern möglichst schon Frühjahrsblumen oder Pflanzen blühen und schmücke einige Sträucher
mit Ostereiern (inzwischen natürlich nicht mehr mit echten ;-))
Auch ein "Stein-Häschen" habe ich als Erinnerung an den Garten meiner Eltern, in welchem wir Kinder früher Ostereier
gesucht haben - und die rund um ein "altes kleines Häschen aus Stein"  zu finden waren. Dieses Häschen hatte mein Opa
schon in seiner Familie gehabt - und später habe ich selbst mit meinen eigenen Kindern dort Ostereier gesucht.... :-))
Es war für mich eine große Freude, ein "ähnliches" Häschen nach vielen Jahren in einem kleinen Antiquitätenladen
zu entdecken - es sitzt heutzutage bei mir im Garten - und wenn Corona vorbei ist, freue ich mich schon, dass mein
Enkelkind rund um das Häschen zum Eiersuchen kommt!

2021 03 18 Heimat Sitten 8 Das Häschen

Das ganze Flair im Garten und am Wasser tut mir - und auch meinen Lieben,
wenn sie wieder mal zu Besuch sind - so dermaßen gut, so dass ich gern an den Traditionen meiner Heimat festhalte.

2021 04 11 Heimat Sitten 10 Stimmung

2021 04 11 Heimat Sitten 9 Fischreiher

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