2004 08 Rheinromantik - Ist das Leben nicht schön?!

Germany
Hier ein Artikel aus meiner Zeit in Wiesbaden, in der ich durch den wunderschönen Rheingau inspiriert wurde....
(Ich hatte damals noch nicht die technischen Mittel, die ich heute habe - musste alle Fotos noch scannen - aber der Eindruck, den ich Ihnen vermitteln möchte,
wird durchaus deutlich)

Rheinromantik – ist das Leben nicht schön? !

1a. Rüdesheim Blick vom Rebenhaus ohne Datum kompri

Manchmal hat man Erlebnisse, die erscheinen einem ganz alltäglich – und erst im Nachhinein wird klar, wie wunderbar
sie gewesen sind und wie lange die Seele von solch schönen Momenten lebt…

Es war Freitagnachmittag, und wieder einmal war ich unterwegs von Venlo über Köln ins Rhein-Main-Gebiet.
Ich lebe seit einigen Jahren in Holland, 300 km weg von allen Bekannten – deshalb bin ich viel mit dem Zug unterwegs,
um meine Kontakte nicht zu verlieren.
Sicher, man braucht oft mehr Zeit als mit dem Auto – aber bei einer Bahnfahrt kann man so richtig schön die Seele baumeln
lassen – man kann lesen, Cappuccino trinken, die Aussicht genießen – und: so herrlich seinen Gedanken nachhängen…
 

Gerade als ich das schrieb, fuhr der Zug über die Rhein-Brücke in Köln.
Ich mag den Blick auf die Altstadt und den Dom, und dachte daran, wie ich beim Kölner Lichterfest von der obersten Etage
des Hyatt - Hotels diesen wunderbaren Ausblick genossen hatte. In mein Tagebuch schrieb ich:
 

„… die Altstadt erstrahlt in ihrem Glanz mit Kneipen, Türmchen und Kapellen,
die Kölner singen zu Musik und Tanz -
ich kann mir nichts Fröhlicheres vorstellen….

Dann, eine halbe Stunde vor Mitternacht,
man konnte kaum noch stehen,
eine Wahnsinns – Sound -und Light -Show begann,
so `was hab` ich noch nie gesehen!
 

Riesige Sterne, Fontänen, ein Lichtermeer
erhellte Altstadt, Dom und Brücken,
lautes Getrommel und romantisches Flair –
dieses Feuerwerk ließ alle Sinne entzücken….“

  „… die Stimmung steigt, der Höhepunkt naht, 
ich kann es kaum noch ertragen,
bin überwältigt von diesem Rausch der Sinne
und spür meine Tränen bis hinunter zum Kragen…“


An jenem Abend hatte ich ihn zum ersten Mal gesehen….

Einen klitzekleinen Moment blickte ich in zwei liebe Augen, während seine Hände die Tränen von meinem Gesicht tupften.
Fragen über Fragen: Woher kommst Du? Bist Du aus Köln?
Nein, ich bin viel im Rhein-Main-Gebiet unterwegs, meist mit der Bahn, das ist gemütlicher… Schon schoben sich andere dazwischen…

Seitdem suche ich ihn…

Die Fahrt ging weiter von Köln nach Koblenz. Ich freute mich schon, denn nun kam bald das schönste Stück.
Für mich ist es die wunderbarste Eisenbahnstrecke in Deutschland:
die Fahrt durch das Rheintal zwischen Koblenz und Mainz.
Wie oft ich auch hier lang fahre, jedes mal bin ich erneut fasziniert beim Anblick dieses wunderschönen Landstrichs.
Ich ging noch mal zur Mitropa und holte mir einen Cappuccino (vielleicht war ER ja heute im Zug!) und setzte mich ans Fenster,
um die Aussicht tief in mich aufzunehmen.

2. Koblenz Deutsches Eck kompri                                                                                                                                                                                                                                                       Koblenz, das Deutsche Eck

Voller Freude schrieb ich später:

„…Ach ja, denk ich, beim Deutschen Eck und bin in Koblenz schon,
Ehrenbreitstein sieht im Abendlicht wundervoll aus –
so purpur wie roter Mohn…

Die Sonne sinkt tiefer, die Fahrt geht voran,
Wölkchen spiegeln sich im Rhein,
und knorrige Bäume ab und an,
die all das viele Wasser mittendrin teil´ n.
Ich träum` ein bisschen für mich allein,
da bin ich auch schon da,
mein Lieblingsplatz mit Burgenblick in Sankt Goar!“

2004 08 15 St Goarshausen vom Schiff aus mit Patersberg kompri
                                                                                                                                                 Rund um St.Goar und St- Goarshausen, auf dem Felsen Burg Katz

3. St. Goarshausen mit Burg Katz

Auch so ein besonderer Ort für mich – wie viele Male hatten wir hoch über dem Rhein ein Picknick oder Sektfrühstück mit der Familie und Freunden gemacht – abseits der Massen auf der Loreley, dafür inmitten blühender Wiesen und Weinfelder.
Ach, wenn ich ihn doch nur noch einmal treffen würde!
Wie gern würde ich mit ihm eine Wein- und Burgentour machen oder gemeinsam den „Rhein in Flammen“ erleben – es gab ja so viele romantische Möglichkeiten………..
Doch der Zug ratterte vor sich hin, die Leute schliefen oder lasen, und niemand war da, der meine Hand nahm und mich aus meinen Träumen riss.
3a. Loreleyfelsen

„ Die Loreley bleibt hinter uns, die Fahrt nimmt ihren Lauf.
Da tut sich inmitten der Wasser bald ein reizendes Fleckchen auf:
Bei Kaub da gibt` s ein Wasserschloss,
und wem dies` nicht genug,
der hat oben am Berg ein nettes Hotel in einer alten Burg.“

3b. Loreleyfelsen
                                                                                                                                                Loreleyfelsen

Nur noch ein kleines Stück, dann kam Rüdesheim.
Sicher, ein durch und durch „touristischer Ort“ – aber wunder
schön anzusehen mit seinen verwinkelten Gassen, den Fachwerkhäusern, den Burgen und Türmchen inmitten der Weinfelder.

4. Rüdesheim Weingut Jung kompri
                                                                                                                     Rüdesheim mit Seilbahn über den Weinfeldern bis hoch zur Germania

5. Rüdesheim Panoramablick mit Seilbahn zur Germania


Ich dachte gerade daran, dass ich im vorigen Jahr hoch oben bei der „Germania“ an der Feier für die Verleihung
des Titels „ UNESCO Weltkulturerbe“ teilgenommen hatte, einer Auszeichnung, die der Rheinabschnitt zwischen Koblenz und Bingen/Rüdesheim erhalten und was die Gemeinden mit einer historischen Lichtshow und einem Feuerwerk gefeiert hatten – als Jemand an mir vorbeihastete und aufgeregt auf seinen Vordermann einredete.

Diese Stimme! Diese Stimme hatte ich schon mal gehört!
Konnte es sein, dass ER auch nach Mainz oder Wiesbaden fuhr und am nächsten Tag nach Rüdesheim zum Feuerwerk wollte?!

Eilig erhob ich mich, versuchte, durch den vollen Gang zu gelangen und den Stimmen der beiden Männer zu folgen.
Aber das war gar nicht so einfach. Inzwischen hatte es in Strömen angefangen zu regnen – Gedanken versunken war mir das vorher nicht aufgefallen, dass wir schon im Schritttempo fuhren.

Nun plötzlich waren alle Reisende scheinbar auf den Gängen unterwegs!
„ Meine Damen und Herren, es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass sich unsere Weiterfahrt… verzögert.“
hörte ich den Zugchef sprechen.
„Naja, macht nichts“, dachte ich, „ so habe ich wenigstens genug Zeit, IHN zu finden, bevor er womöglich in Mainz den Zug verlässt…“
Langsam „kämpfte“ ich mich weiter vor. Mein Herz klopfte wie wild, auch wenn ich ihn immer noch nicht entdecken konnte.
Hatte ich mich getäuscht? Nein, diese warme, rauchige Stimme – da gab es keinen Zweifel.
Eine weitere Viertelstunde verging. Es schüttete immer noch wie aus Kannen. Mit lautem Getöse prasselte der Regen auf das Zugdach, und ich sah draußen das Wasser in kleinen Bächen die Weinberge hinunter rinnen.
„Ach, wie schade!“ dachte ich, „wie soll das bis morgen Abend trocken sein – die Weinberge sind nass, und ein Feuerwerk bei Regen macht auch keinen Spaß!“

 Der Zug fuhr langsam ein Stück vor und blieb dann stehen. Gerade als ich enttäuscht registrierte, IHN auch in diesem Wagen wieder nicht zu entdecken, kam die Durchsage:
„ Meine Damen und Herren, heute ist zwar nicht Freitag, der 13., aber wir haben trotzdem Pech!
Wegen schwerer Regenfälle verzögert sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit!“
Bruchstücke von Unterhaltungen drangen an mein Ohr: „… der Mainzer Bahnhof ist gesperrt,… viele Gleise sind unterspült, in Frankfurt geht nicht mal ein Flieger……“

Romantisch wie ich bin, kam ich mir nun vor wie im Film: Es regnet unaufhörlich, es gibt kein Wegkommen – und: man ist plötzlich eingeschlossen mit dem Mann seiner Träume!
Aber so weit war es noch nicht! Ich hatte ihn immer noch nicht entdecken können, denn inzwischen war das Durchkommen fast unmöglich, da viele Reisende auf den Schaffner einstürmten und ihn mit Fragen bedrängten.
„Können wir nicht aussteigen? Mein Vater kann uns abholen…
Bitte lassen Sie mich raus, ich werde erwartet!“
Aber Aussteigen auf freier Strecke ist verboten, und so klingelten weiter die Handys, und Menschen sprachen wild durcheinander.
Was sollte ich tun? Lief ich einem Phantom nach? Nein, er musste doch hier irgendwo sein – aussteigen ging doch nicht!

Während ich noch unschlüssig da stand und überlegte, kam die Durchsage, man werde (die paar Meter) zu einem kleinen Bahnhof zurücksetzen und dort könne man dann aussteigen, sofern man das wolle. Gut – draußen würde ich ihn bestimmt treffen, man kam ja nicht gleich mit dem Taxi weg (!) – also zwängte ich mich wieder durch die vielen Menschen zurück zu meinem Gepäck, wo mein Sohn schon ungeduldig auf mich wartete.
Draußen auf dem Bahnsteig waren unsagbar viele Menschen. Ziellos lief ich umher, schaute in dieses und jenes Gesicht und konnte IHN nirgendwo entdecken.

Mittlerweile wurde ich traurig und fragte resigniert, wo man denn eigentlich war.
Der erstbeste Bus wurde von uns Reisenden “gestürmt“ – und so kamen wir abends doch noch in Wiesbaden an.
Traurig dachte ich abends im Hotel, dass es wieder mal nicht geklappt hatte.

Am nächsten Morgen stand die Sonne hoch am Himmel, kein Lüftchen wehte, und es war sehr heiß. Nichts ließ erkennen, dass am Abend vorher dieses Unwetter gewesen war.
Ach, es war toll – ich genoss die Sonne auf meiner Haut, bummelte durch die Innenstadt, schlenderte durch den Park, ging ins Kaffeehaus und zum Eisessen und erlebte so mit meinem Sohn all die kleinen Sommerfreuden, die das Leben so schön machen.
Nachmittags fuhren wir mit der Bahn nach Rüdesheim.
Obwohl ich schon öfter da gewesen war, hatte ich dieses Mal das Gefühl, mit meinem Sohn noch einmal ganz besondere Dinge erleben zu können, denn es war einfach zu schön!

„Die Seilbahn steigt über die Burg hinauf zum Rebenhaus,
lässt Rhein und Felder unter sich, es ist ein Augenschmaus –
so angestrahlt das gold´ ne Laub und oben Ruhe pur –
denk grad an unsern tollen Tag mit Dir dort in freier Natur.“

Nun, das war mit meiner Schwester gewesen, als sie mir das erste Mal dieses besondere Fleckchen gezeigt hatte.
Mit „Ruhe pur“ würde es heute nichts werden – aber bei so einem Fest machte ja nicht nur das Ambiente sondern viele Leute verschiedener Nationalität das besondere Flair aus!
Gegen Abend saß ich also mit meinem Sohn in der Seilbahn und schaute über die Weinfelder hinunter zum Rhein.

7. Rüdesheim Rebenhaus mit Rheinblick                                                                                                                                                                                      Rüdesheim, im Rebenhaus

6. Blick vom Rebenhaus auf Rüdesheim und Rhein

 „Wie romantisch wäre es doch, hier mit IHM zu sitzen!“
dachte ich und blickte auf die Pärchen hinab, die zu Fuß den Berg hoch wanderten.

Inzwischen neigte sich der Tag dem Ende. Die Abendsonne tauchte alles in goldgelbes Licht.
Noch war kein winziges Wölkchen am Himmel, die Wärme streichelte meine nackte Haut.
Ich spürte, wie dieses ganze Szenario meiner Seele gut tat.

„Die Sonne versinkt, es wird dunkel ringsumher.
Ich denk
weiter an Blumenwiesen, Burgen und Wein.
Es hat wirklich
alles ein romantisches Flair –
Ja, so schön kann das Leben sein!“

Oben angekommen, versuchten wir erst gar nicht, einen Platz zum Sitzen zu finden, denn es war aussichtslos.
Rings um die Germania drängten sich Menschen. Sie lachten, tranken, unterhielten sich – nun kam ich mir ein bisschen
einsam vor.

„Komm, hier oben ist es viel zu voll“, sagte mein Sohn, und nachdem wir die erste Treppe und einen kleinen Pfad hinter uns gelassen hatten, waren wir wieder in den Weinbergen und genossen die letzten Sonnenstrahlen.
Kurz darauf war es dunkel. Stille, Einsamkeit, was für eine Ruhe!

Dann begann es.
Man sah die Lichtbrücke aus Laserstrahlen über dem Rhein zwischen Bingen und Rüdesheim, hörte Musik und den Erzähler historischer Begebenheiten - ab und zu ein paar Stimmen in unserer Nähe - offensichtlich hatten auch andere den gleichen Gedanken wie wir, das Feuerwerk „allein“ in den Weinbergen zu genießen.
Als es endlich so weit war und riesige Fontänen über unseren Köpfen direkt auf uns zukamen, war es einfach unglaublich!
Es so „dicht“ zu erleben, war wirklich „live“!
Leute applaudierten ganz in unserer Nähe, und plötzlich kam Jemand auf mich zu und nahm mich in den Arm.
„ Wo hast du nur gesteckt? Ich habe dich überall gesucht!“
sagte ER, als er lachend die Freudentränen von meinem Gesicht küsste.

**********Ende**********

Angelika Seel Copyright Wiesbaden / Venlo, August 2004
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Hier noch weitere Eindrücke vom Rhein...

8. Boppard große Rheinschleife
Boppard- die große Rheinschleife

9. Boppard  Vierseenblick

Boppard - Vierseenblick

 10. vor Burg Katz
Rund um Burg Katz gibt es viele schöne Möglichkeiten zum Wandern

 11. vor Loreleystatue kompri
Blick auf die Loreleystatue